Ein Abend im MUH

Muh-PlakatBei der Arbeit am Biermösl-Buch fiel mir dieses improvisierte MUH-Plakat in die Hände. Die Machart ist mir nicht nur höchst sympathisch, sondern macht mich auch neugierig, wie es wohl so war, damals im MUH.

Also hab ich mal nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Beppi Bachmaier gründete mit Uwe Kleinschmidt 1972 das MUH (Musikalisches Unterholz) in der Münchner Hackenstraße.

An einem „normalen“ Abend im MUH traten etwa vier bis sechs Künstler oder Gruppen auf. Je nachdem, wie sie ankamen, durften sie zwischen 15 und 30 Minuten lang spielen. Das war natürlich gut fürs Publikum: Wenn einer nicht so gefiel, war zumindest das Ende absehbar. So richtig runtergepfiffen von der Bühne wurde zwar keiner, aber manchmal setzten Beppi und Uwe auch absichtlich einen eher zähen Künstler – oder nervig, wie Beppi es nennt – ein, damit eine lange Nacht im MUH endlich ein Ende nahm.

Wenn ein Engpass bei den Künstlern herrschte, so sprachen sie schon mal begabte Straßenmusiker an und luden diese ins MUH ein. Später schreckte Uwe Kleinschmidt auch nicht davor zurück, in der Ankündigung vom MUH in der Zeitung einfach Künstler aufzuzählen, die von ihrem Auftritt noch gar nichts wussten. Meistens klappte das sogar, und sie traten tatsächlich auf.

Das MUH wurzelte ideell in Bühnen wie dem Song Parnass. Seine Betreiber ließen den Künstlern aber mehr Freiheit auf der Bühne. So konnten sich die typischen Musikkabarettisten wie Fredl Fesl weiterentwickeln, die neben ihrer Musik auch lustige Gschichten oder einfach mal einen Schmarrn erzählten.

Nicht für jeden war das MUH die Geburtsstätte seiner Karriere. Viele wollten auftreten, mussten erst einmal warten, mit der Gitarre in der Hand, und wurden oft doch vertröstet, einfach weil die anderen Künstler das Publikum an diesem Abend besser unterhielten. Das war vielleicht enttäuschend, richtig traurig musste aber niemand sein – immerhin gabs immer was zum Essen und zum Trinken, wie Beppi Bachmaier erzählt.

Fein sein, beinander bleibn.

fein sein dvdZwei ehemalige Biermösln, Michael und Stofferl, mit Bruder Karli Well und den drei Wellküren-Schwestern Moni, Burgi und Bärbi – das sind die Geschwister Well. Zum ersten Mal seit ihrer Kindheit stehen sie mit einem gemeinsamen Programm auf der Bühne. „Fein sein, beinander bleibn“ heißt es, im Februar 2012 feierte es Premiere und war seitdem mehr als fünfzig Mal in den Münchner Kammerspielen zu sehen. Jetzt ist die musikalische Familienaufstellung auf DVD und CD erhältlich.

Eine verpasst fast keine Vorstellung: die Mutti. Mit ihren 94 Jahren sitzt Traudl Well immer mit auf der Bühne und beäugt das, was die sechs der fünfzehn Geschwister so treiben. Die Geschwister Well musizieren von Bach bis Mozart, von Polka bis Bolero, singen vom Ehestreit, über Politik und Gesellschaft bis hin zu herrlichstem Nonsens.fein sein cd Bestens inszeniert wurde der Liederabend von Regisseur Franz Wittenbrink, der als ehemaliger Regensburger Domspatz und mit eigenen zwölf Geschwistern ideal für diese Herausforderung gerüstet ist. Wenn dann noch Gerhard Polt als Nikolaus oder der Schweizer Schwager und der polnische Pfarrer – beide wunderbar von Stefan Merki verkörpert – auftauchen, dann wird der Wellsche Liederabend zur köstlichsten Unterhaltung.

Im Well-Shop sind nun die DVD mit dem kompletten Abend und die CD mit allen Musikstücken zu haben. Bayern 2 kürte die DVD und CD zum KabarettFavorit.