„Pichler auf Tour“ ab jetzt in der MUH

IMG_7830Wie aus einer anderen Welt flatterte heute die MUH, die wunderbare Zeitschrift für bayerische Aspekte, in meinen Briefkasten und sagte freundlich: „Servus!“
Ich freue mich immer über die MUH, aber diesmal noch ein bisserl mehr, weil in dieser Nr. 36 die erste Folge meiner neuen Kolumne „Pichler auf Tour“ zu finden ist. Es ist komisch, mutet fast schon wie ein böser Scherz des Universums an, dass ausgerechnet in Zeiten von Corona-Ausgangsbeschränkung also meine Tour-Kolumne startet. Aber es werden ja auch wieder andere Zeiten kommen!
In „Pichler auf Tour“ darf ich meine Erlebnisse auf, hinter und rund um die bayerischen Kleinkunst-Bühnen teilen. Die erste Folge habe ich einem sehr wichtigen Thema gewidmet, nämlich der Brotzeit.

Die MUH möchte ich generell allen ans Herz legen. Auch diesmal sind darin sehr viele interessante Themen zu finden. Über das traurige Ende des „Nomiya“, das bayerisch-japanische Wirtshaus in München-Haidhausen, habe ich auch geschrieben. Es gibt einen Artikel zu „40 Jahre Gerhard Polt und die Well-Brüder“ von Ulrike Zöller, ein Interview mit Hanns Christian Müller, ein Update zu Dieter Wielands „Grün kaputt“ und vieles, vieles mehr. Die MUH kann man auch bequem online bestellen,und zwar hier. Und am besten gleich im ABO.

 

 

VHS: Polt-Seminar am Starnberger See

Seminar Münchner Volkshochschule 

Haus Buchenried am Starnberger See

Fr 10. – So 12. Juni 2016

Claudia Pichler & Michael Well

vhs pichlerwell

Circus Maximus in Bavaria

Gerhard Polt und das bayerische Kabarett seit den 1970er Jahren

Das Bayern der 1970er Jahre ist bestimmt durch die Machteinheit aus Tradition, Kirche, CSU und Bayerischem Rundfunk. In dieser Landschaft entwickelt das bayerische Kabarett unterschiedlichste Formen, was sich an einigen beispielhaften Bühnen z. B. MUH und Lach- und Schießgesellschaft in München, Scharfrichterhaus in Passau, Montagsbrettl in Hörbach gut zeigen lässt.
Zu dieser Zeit trat Gerhard Polt zum ersten Mal auf einer Münchner Bühne auf. Sein satirisches Schaffen dient als konkretes Beispiel für Kleinkunst in Bayern seit den 70er Jahren bis heute.
Die Dozentin Claudia Pichler leitete in den letzten zwei Jahren das traditionsreiche Fraunhofer Theater in München und promoviert in Literaturwissenschaft über Gerhard Polt. Zu Gast im Seminar ist Michael Well, ehemals Biermösl Blosn.

Haus Buchenriedpichlerwellirsee

Assenbucher Straße 45

82335 Berg-Leoni

Telefon (0 81 51) 96 20-0

Telefax (0 81 51) 96 20-10

E-Mail: info@buchenried.de

www.mvhs.de/buchenried

 

Fredl Fesl schreibt. Ohne Gaudi is ois nix!

Fredl_Fesl-1Im bayerischen Musikkabarett gehört er zu den ganz Großen. Jetzt ist Fredl Fest unter die Autoren gegangen. Unter dem Titel „Ohne Gaudi is ois nix“ erscheint sein autobiographisches Buch, in dem er Geschichten aus seinem bewegten Leben erzählt – von der Kindheit über Anekdoten aus der Militärzeit über seine diversen Berufswünsche bis hin zu den Anfängen seiner Musik in der Kleinkunstszene des MUH. Unterhaltsam und mit dem typischen Fesl-Humor lässt er die wundersamen Wendungen, die bedeutenden schönen und auch stillen Momente in seinem Leben Revue passieren.

Da ich die Anfänge des Buches, das Entstehen der ersten Geschichten aus nächster Nähe miterleben durfte, freue ich mich jetzt für den Fredl Fesl, dass er endlich sein fertiges Werk in Händen halten kann und natürlich freue ich mich auch über die herzliche Danksagung.

fesl

Lion Feuchtwangers „Erfolg“ – ein bayerischer Klassiker

Noch bis 15.2.15 ist die Ausstellung im Literaturhaus München!

Aus der MUH 15:

Hübscherweise am St.-Anna-Platz im Lehel, wo Jahrzehnte später der Tscharlie Häusler und seine Spezln ihr Wesen treiben sollten, wuchs der Schriftsteller auf, der die wohl berühmtesten Münchner Geschichten der Weltliteratur niederschrieb. Lion Jacob Arje Feuchtwanger, geboren am 7. Juli 1884, aufgewachsen in wohlhabenden Verhältnissen als Sohn eines jüdischen Fabrikanten, feierte seinen ersten großen Romanerfolg – nach jahrelanger Tätigkeit als Dramatiker – 1925 mit „Jud Süß“. Im gleichen Jahr zog er nach Berlin, nicht zuletzt desillusioniert über die politische Entwicklung in München, wo die nationalsozialistische Bewegung Fuß fasste. Aus der Berliner Distanz schrieb Feuchtwanger seine historischen Roman „Erfolg“ – das Porträt seiner Heimatstadt München.
„Erfolg“ erzählt die Geschichte Münchens von 1921 bis 1924, vor dem Hintergrund von Inflation und Arbeitslosigkeit. Der Roman setzt ein nach der blutigen Niederschlagung der Räterepublik und gipfelt im Hitlerputsch im November 1923. In fünf Büchern bildet er die wesentlichen Teile der Gesellschaft Bayerns ab: „Justiz“, „Betrieb“, „Spaß. Sport. Spiel“, „Politik und Wirtschaft“ sowie „Erfolg“. Feuchtwanger erzählt nicht die Geschichte eines einzelnen Helden, sondern bedient sich Figuren der unterschiedlichsten Schichten, montiert Einzelaufnahmen und Szenen zu einem Panoptikum seiner Zeit. In Anlehnung an die Techniken des Films entsteht so eine visionäre Überschau Münchens und seiner Bewohner. Dabei sind hinter den facettenreichen Typen mehr oder weniger deutlich Persönlichkeiten der Zeitgeschichte auszumachen. So finden Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Karl Valentin und Bert Brecht, aber auch Adolf Hitler und Erich von Ludendorff ihre Entsprechung in Romanfiguren. Auch sich selbst schafft Feuchtwanger ein Pendant: den Schriftsteller Jaques Tüverlin.
„Erfolg“ trug Lion Feuchtwanger den Unmut vieler Bayern ein. Dabei zeichnet er ein durchaus ambivalentes Bild von München. Das Buch ist auch eine Liebeserklärung an die Stadt, zeigt Sympathie für jene querschädlige, undoktrinäre Freizügigkeit, aus der das bayerische gwamperte Selbstbewusstsein gemacht ist. Keine der Figuren, handelt sie noch so verachtenswert, ist ganz frei von sympathischen Zügen. Im Vordergrund von „Erfolg“ steht aber die kritische Diagnose Bayerns, des aufkommenden Nationalsozialismus, seiner Unmenschlichkeit und Lächerlichkeit und wie ihm durch die Untätigkeit der Demokraten und die Machtgier der Verantwortlichen in Justiz und Regierung der Weg bereitet wurde. „Erfolg“ ist ein Plädoyer gegen die Dummheit und Dumpfheit der Gesellschaft und bleibt darum immer aktuell – ein echter bayerischer Klassiker.
Noch bis 15.2.2015 widmet das Münchner Literaturhaus „Erfolg“ eine Ausstellung, bei
der auch die Kernthemen des Romans und deren historischer Kontext gezeigt werden.

Ein Abend im MUH

Muh-PlakatBei der Arbeit am Biermösl-Buch fiel mir dieses improvisierte MUH-Plakat in die Hände. Die Machart ist mir nicht nur höchst sympathisch, sondern macht mich auch neugierig, wie es wohl so war, damals im MUH.

Also hab ich mal nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Beppi Bachmaier gründete mit Uwe Kleinschmidt 1972 das MUH (Musikalisches Unterholz) in der Münchner Hackenstraße.

An einem „normalen“ Abend im MUH traten etwa vier bis sechs Künstler oder Gruppen auf. Je nachdem, wie sie ankamen, durften sie zwischen 15 und 30 Minuten lang spielen. Das war natürlich gut fürs Publikum: Wenn einer nicht so gefiel, war zumindest das Ende absehbar. So richtig runtergepfiffen von der Bühne wurde zwar keiner, aber manchmal setzten Beppi und Uwe auch absichtlich einen eher zähen Künstler – oder nervig, wie Beppi es nennt – ein, damit eine lange Nacht im MUH endlich ein Ende nahm.

Wenn ein Engpass bei den Künstlern herrschte, so sprachen sie schon mal begabte Straßenmusiker an und luden diese ins MUH ein. Später schreckte Uwe Kleinschmidt auch nicht davor zurück, in der Ankündigung vom MUH in der Zeitung einfach Künstler aufzuzählen, die von ihrem Auftritt noch gar nichts wussten. Meistens klappte das sogar, und sie traten tatsächlich auf.

Das MUH wurzelte ideell in Bühnen wie dem Song Parnass. Seine Betreiber ließen den Künstlern aber mehr Freiheit auf der Bühne. So konnten sich die typischen Musikkabarettisten wie Fredl Fesl weiterentwickeln, die neben ihrer Musik auch lustige Gschichten oder einfach mal einen Schmarrn erzählten.

Nicht für jeden war das MUH die Geburtsstätte seiner Karriere. Viele wollten auftreten, mussten erst einmal warten, mit der Gitarre in der Hand, und wurden oft doch vertröstet, einfach weil die anderen Künstler das Publikum an diesem Abend besser unterhielten. Das war vielleicht enttäuschend, richtig traurig musste aber niemand sein – immerhin gabs immer was zum Essen und zum Trinken, wie Beppi Bachmaier erzählt.

Fredl Fesl: „Steig aussi beim Fenster, bei da Tür is scho z´spad“

fesl_fredl1Der niederbayerische Volkssänger Fredl Fesl beeinflusste eine ganze Generation von Kleinkünstlern. Bei seinen unkonventionellen Auftritten in den 60er und 70er Jahren im Münchner Song Parnass oder im MUH staunte das Publikum nicht schlecht: Da traute sich einer nur mit seiner Gitarre auf die Bühne, palaverte sich durch schier endlose Ansagen und interpretierte schließlich alt bewährte Volksmusikstücke auf neue, einzigartige Weise. Die alten Leiern bekamen ihre ursprüngliche Ausdruckskraft zurück. Seine Interpretation vom Fensterstockhias inspirierte einige Nachahmer, es ihm gleichzutun: Die bewährten Stücke wurden frecher, lebendiger gesungen. Kollegen wie die junge Biermösl Blosn wurde durch Fesl erst die Absurdität mancher alt hergebrachter Volkslieder bewusst.

Fesl sang aber nicht nur altbewährtes neu (wie z.B. seine einzigartige Interpretation vom Königsjodler), sondern schrieb natürlich auch selbst. Musikalisch reihen sich seine Lieder in die volkstümliche Tradition ein, getreu dem Motto: „Lieder aus meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern, in D-Dur und in höchster Vollendung.“ Wie die Ansagen zeugen auch die Liedtexte von einem hintersinnigen und spitzbübischen Humor, der so typisch für Fesl ist. Bei all der Komik hatten bei Fredl Fesls Auftritten aber auch immer die ernsten und traurigen Töne ihren Platz, so beispielsweise beim wunderschönen schwedischen Trinklied „So trolln wir uns“ von Carl Michael Bellmann.