Die weiteren Aussichten

Ich vermisse die Bühne! Ich vermisse meine Auftritte! Ok, ich vermisse auch das Geld, das mir die Auftritte bringen könnten, aber das klingt jetzt recht unromantisch … Claudia Pichler Foto: Kim Kino / Valentin
Aber im Ernst: Mir fehlen tatsächlich Menschen, Begegnungen, Erlebnisse. Diese Isolation ist eine echte Herausforderung für mich. (Für uns alle, ich weiß!) Ich komme eigentlich gut zurecht allein, mir wird es sogar oft „zu viel“, wenn zu viel um mich los ist. Aber jetzt klingt das grad wie ein schlechter Scherz. Wann rührt sich denn endlich wieder was? Wann darf es denn wieder menscheln?
Ja, wir brauchen noch Geduld. Wie lange genau das dauern soll, kann niemand verlässlich sagen. Ich jedenfalls habe bereits etliche Phasen der Trauerbewältigung durchlebt: Ich habe mich ganz am Anfang und ganz heimlich und ganz kurz gefreut über die Zwangspause, dann habe ich viel gejammert, geweint, getrunken, geschimpft und gezweifelt an mir und der ganzen Welt.

Doch jetzt ist es irgendwie anders. Oh und ich hoffe so sehr, dass es noch eine Weile so bleibt! Ich hab genug von meiner Resignation, ich spüre endlich wieder neuen Mut – und sogar etwas kreative Energie. Deshalb werde ich aber keine Corona-Kunst fabrizieren und Videos aus dem Homeoffice produzieren, damit kann ich mich einfach nicht anfreunden (was aber für andere natürlich super funktionieren mag!).
Ich möchte gern etwas für das große „Danach“ schaffen, die ein oder andere Nummer schreiben, ein paar musikalische Eskapaden probieren oder neue Lieder kreieren. Es ist absurd schwer, sich auf andere Themen als das alles beherrschende Virus zu konzentrieren, aber da gibt es doch noch mehr. Ich muss sie nur noch finden und fassen. Und im „Danach“ wird man das dann hoffentlich auch hören wollen.

Mein Kalender 2020 ist ein absolutes Desaster. Die gestrichenen Termine deprimieren mich, die geballten Ersatztermine im jetzt übervollen Herbst geben einerseits Hoffnung, schüchtern mich andererseits auch etwas ein.
Nächstes Jahr soll mein zweites Solo-Programm Premiere feiern. Deswegen spüre ich auch diesen Druck, diese Corona-Pause für kreative Arbeit zu nutzen. Ich bin leider von Natur aus nicht sehr fleißig, eher faul sogar. Aber ich habe großen Respekt vor Terminen. Das ist das einzige, was mich wirklich motiviert. Deshalb planen wir also einfach viele schöne Termine für das nächste Jahr und das nächste Programm. Nur so kann ich mich selbst austricksen.

Als Bühnenkünstlerin braucht man Bestätigung. Ich bin noch nicht so lange solo unterwegs, aber auch ich merke schon, dass mich die Zeit der Isolation verunsichert. Sorgen, ob ich „vergessen“ werde, tauchen auf und sind vielleicht normal, wenn man sich schon zu sehr an den Applaus und unmittelbare Publikums-Reaktionen gewöhnt hat. Optimismus ist nicht gerade meine Stärke, aber ich hoffe einfach sehr, dass meine Veranstaltungen (spätestens) im Herbst alle möglich sein werden und genauso viel Freude bringen wie bisher. „Ned blöd … für a Frau!“ heißt mein aktuelles Programm, das ich auch schon vermisse. Alle Termine finden sich hier, falls es doch Mutige gibt, die sich jetzt gern Tickets kaufen möchten. Und hier noch ein kleiner Ausschnitt aus meinem Programm mit dem freundlichen Hinweis, dass man meinen Youtube-Kanal natürlich gern abonnieren kann.